The Causa Gurlitt

Gurlitt and the Secret of the Nazi Treasure – Trailer from BROADVIEW VOD on Vimeo.

Discussions about art dealer Cornelius Gurlitt and his inheritances are alive and well, even six months after the death. British broadcaster BBC used this case to come to the rather generalised conclusion that Germans have not yet dealt sufficiently with their historical past. There is no doubt, that the findings in Gurlitt’s apartment brought to surface some very dark hours of Germany’s past, but the investigative research into this case was by no means – as the BBC documentary suggests – unethical, nor were the rights of the victims trampled on.

For our Arte documentary “Gurlitt and the Secret of the Nazi Treasure” we extensively researched this story and made clear that it is difficult to take a stand in the case surrounding Cornelius Gurlitt. People wanting to flee the Nazi regime and to finance their escape sold their valuable artworks to Cornelius Gurlitt’s father, Hildebrand, an art dealer during the Nazi era, who bought the paintings and saved them from destruction by the Nazis. Cornelius Gurlitt inherited his father’s paintings but the collection was confiscated by German police. The appointed prosecution had to work through numerous laws and acts to be able to give this case an appropriate and dignified hearing.

This is a thrilling law case that brings to surface many facets of the German past and its dealing with it. None of those are any indication that Germany has no interest in coming to terms with its past – quite the opposite in fact.

Watch „Gurlitt and the Secret of the Nazi Treasure“ on Vimeo.

Vergangenheitsbewältigung und der Fall Gurlitt

Gurlitt and the Secret of the Nazi Treasure – Trailer from BROADVIEW VOD on Vimeo.

Etwa ein halbes Jahr nach seinem Tod ist die Diskussion rund um den Kunstsammler Cornelius Gurlitt und sein Erbe noch nicht verstummt. Der britische Sender BBC nutzt den Fall nun für ein pauschales Urteil über die (angeblich nicht vorhandene) Vergangenheitsbewältigung der Deutschen. Dass der Kunstfund in Gurlitts Wohnung dunkle Stunden aus der deutschen Vergangenheit zu Tage förderte, ist unbestritten. Doch die Aufarbeitung des Falls war keineswegs – wie die BBC-Dokumentation suggeriert – unmoralisch. Auch wurden nicht die Rechte von Opfern mit Füßen getreten.

Für unsere Arte-Dokumentation „Der seltsame Herr Gurlitt“ haben wir den Fall ausgiebig recherchiert und deutlich gemacht, wie schwer es ist, sich im Drama rund um Cornelius Gurlitt zu positionieren. Zu viele Sichtweisen gibt es: Flüchtlinge, die dem Nazi-Regime entkommen mussten, verkauften wertvolle Bilder, um ihre Flucht zu finanzieren. Cornelius Gurlitts Vater Hildebrand hat Bilder gekauft und vor der Vernichtung durch die Nazis gerettet. Cornelius Gurlitt hat die Bilder des Vaters geerbt. Der Großteil des Funds wurde gegen jedes Recht konfisziert. Gleichzeitig hat sich die Staatsanwaltschaft durch ein filigranes Netzwerk an Paragrafen und Gesetzen arbeiten müssen, um den Fall so würdevoll und rechtmäßig wie möglich aufzuarbeiten.

Ein spannendes Gerichts-Stück, das viel über die deutsche Vergangenheit und den Umgang damit verrät. Allerdings nichts, dass in Deutschland kein Interesse an einer umfassenden Vergangenheitsbewältigung herrschen würde – ganz im Gegenteil.

Sehen Sie hier „Der Seltsame Herr Gurlitt“ auf Vimeo.

Cornelius Gurlitt – Ein Nachruf

Cornelius Gurlitt war schon lange sehr erschöpft. Vor allem, wenn er über seine Bilder sprechen musste, klang seine Stimme schwach und leise. „Ich hoffe, dass ich sie wiederbekomme. Ich nehme das dann still zurück erstmal.“ Mit diesem Zitat endet unsere Dokumentation „Der seltsame Herr Gurlitt“, die im März auf Arte zu sehen war.  Am 9. April bekam Gurlitt seine Bilder wieder. Er konnte sich nur noch einen knappen Monat lang über sie freuen. Heute ist Cornelius Gurlitt verstorben.

Ein halbes Jahr lang haben wir den Fall recherchiert. Dabei wurde uns deutlich, wie schwer es ist, sich im Drama rund um Cornelius Gurlitt zu positionieren. Noch 2012 ist er völlig unbekannt und meidet den Kontakt zur Außenwelt. Aus seinem Einsiedlerdasein bricht Gurlitt im September 2011 aus. Er meldet sich beim Kunsthaus Lempertz, um das Max Beckmann-Meisterwerk „Löwenbändiger“ zu verkaufen. Das Bild erzielt die Summe von 864.000 Euro und sichert Gurlitt den Lebensunterhalt. Was damals noch niemand ahnt: Gurlitt hortet in seiner kleinen Stadtwohnung 1280 Bilder, die er von seinem Vater geerbt hat. Auf der Rückseite des „Löwenbändigers“ entdecken die Experten einen alten  Aufkleber von Alfred Flechtheim. Der jüdische Galerist musste schon im Mai 1933 emigrieren. Ist der Beckmann „Raubkunst“? Noch vor der Versteigerung wird ein Kompromiss zwischen Gurlitt und den Flechtheim-Erben geschlossen. Der Erlös aus dem Bild wird geteilt.

Der Fall ist ausgeräumt und wird nicht weiter verfolgt. Doch Gurlitt wird bereits seit September 2010 observiert. Damals fiel er bei einer Routinekontrolle des Zolls im Eurocity von Zürich nach München auf. Gurlitt hatte 9000 Euro bei sich, knapp so viel wie unter der anmeldepflichtigen Grenze erlaubt ist. Wovon lebt der Mann? Die Zollfahnder wenden sich an die zuständige Staatsanwaltschaft in Augsburg. Der Raubkunstvorwurf im Falle des „Löwenbändigers“ alarmiert die Ermittler. Gurlitts Wohnung wird im Februar 2012 durchsucht, alle Bilder werden konfisziert.

Ihre Spur führt ins Jahr 1968 zurück: Als seine Mutter stirbt, erbt Cornelius Gurlitt die Werke aus dem Nachlass des Vaters. Hildebrand Gurlitt ist in den 30er Jahren Direktor des König Albert Museums in Zwickau. Wann immer er kann, kauft er Kunstwerke der Moderne für das Museum an. Doch moderne Kunst ist politisch nicht gewollt – und die Nazis wissen von Gurlitts jüdischer Großmutter. Als Kunsthändler kann er moderne Kunst nur noch heimlich unterm Ladentisch verkaufen. Die Verkaufslisten belegen: Gurlitts „Handelsware“ setzt sich unter anderem aus ehemaligen Museumsbeständen zusammen. 4000 Kunstwerke übernimmt Gurlitt, obwohl mit Druckgrafik kein großes Geschäft zu machen ist. Doch er weiß, dass diesen Blättern die Vernichtung droht. 500 behält er selbst, den Rest verkauft er. In „Der seltsame Herr Gurlitt“ stellt die Kunsthistorikerin Meike Hoffmann klar: „Man kann nicht einfach so sagen, dass diese Werke durch die Kunsthändler gerettet worden sind. Aber ich glaube schon, sobald man an diese Werke herankommt und auch weiß, in welche Sammlung man sie vermittelt, hat man das Gefühl, dass sie da sicherer sind, als irgendwo anders.“ Zudem waren die Versuche, mit dem Verkauf der Gemälde die Flucht zu sichern, oft hoffnungslos. So berichtet Irene Lawford-Hinrichsen, Enkelin des jüdischen Kunstsammlers Henri Hinrichsen: „Mein Großvater wurde gezwungen, seine Gemälde zu verkaufen. Das Geld, das er dafür bekam, ging direkt weiter für die Zwangssteuer.“

Dramatische Geschichten über die dunkelsten Stunden der deutschen Vergangenheit wurden durch den Fund von Gurlitts Bildern zu Tage gefördert. Geschichten, die die Gesellschaft herausgefordert und Cornelius Gurlitt am Ende seines Lebens schwer belastet haben.

Der Text basiert auf Recherchen zur Dokumentation „Der seltsame Herr Gurlitt“ der hier erhältlich ist.

„Der seltsame Herr Gurlitt“ in der Online-Presse

Heute Abend läuft unsere Dokumentation „Der seltsame Herr Gurlitt“ um 21.50 Uhr auf ArteWir freuen uns sehr, dass alle großen Tageszeitungen den Film besprechen. Er wird als relevanter Beitrag zur Diskussion rund um den sensationellen Kunstfund wahrgenommen!

Cornelius Gurlitt privat

Cornelius Gurlitt privat

Auch die Online-Presse berichtet:

spiegel.de – Der letzte Nibelunge

Für die Gurlitt-Dokumentation hat Remy viele wichtige Experten vor die Kamera bekommen: Götz Aly, Meike Hoffmann, Vanessa Voigt und journalistische Zeugen wie Denis Trierweiler und die SPIEGEL-Redakteurin Özlem Gezer. (…) Die interessante Dokumentation „Der seltsame Herr Gurlitt“ muss also eine frühe Zwischenbilanz bleiben. Aber das interessierte Publikum kann beruhigt sein: Fortsetzung folgt. Im echten Leben – und wohl auch im Film.

ksta.de – Antworten zum Fall Gurlitt

„Handelt es sich bei dem Schwabinger Kunstfund um NS-„Raubkunst“, oder ist die Beschlagnahmung der Sammlung Gurlitt ein moderner Kunstraub aus dem Jahr 2012? War Cornelius Gurlitts Vater Hildebrand, der während der NS-Zeit mit Kunst handelte und auch Geschäfte mit jüdischen Sammlern machte, für diese die letzte Hoffnung, um an Geld zu kommen – oder bereicherte er sich an ihrer Not? (…) Licht ins Dunkel der vielen ungeklärten Fragen will die Doku „Der seltsame Herr Gurlitt“ bringen, in der es um Fragen von Besitz und Eigentum sowie Recht und Moral geht.“

tz.de – Cornelius Gurlitt: Zwischen Recht und Moral

Maurice Philip Remy im Interview: „Ich war völlig ergebnisoffen. Ich hab weder gedacht, dass der Mann ein Werkzeug des Teufels noch dass er unschuldig ist. Ich wollte herausfinden, was wirklich hinter der Sammlung steckt. Und ich war sehr überrascht über die Erkenntnis, dass man Hildebrand Gurlitt Unrecht tut.“

derwesten.de – Der Fluch der Nazi-Kunst

Herr Gurlitt erscheint ja wirklich seltsam: Einer, der im Halbdunkel mit seinen Bildern spricht. Ein Weltverlorener, der für den Einkauf von ein paar Tütensuppen eineinhalb Stunden braucht. Zum Glück weiß der Filmemacher Maurice Philip Remy, dass er so nicht durchdringen kann – und so wandelt sich die Doku schnell zu einer spannenden Recherche tief in die Familiengeschichte der Gurlitts.

weser-kurier.de – Ist der Münchner Sammler Täter oder Opfer?

Durch investigative Recherche, Interviews mit führenden Experten und anhand von „teilweise unveröffentlichtem Material“ versucht Remy („Hitler – Eine Bilanz“, „Mogadischu“) eine Geschichte zu erzählen, die die Grenzen von Recht und Moral aufzeigen will. Der Autor stellt nicht nur einen zunächst äußerts seltsam erscheinenden Cornelius Gurlitt vor, sondern geht auch der Frage nach, „ob im Schatten der Vergangenheit Gerechtigkeit überhaupt hergestellt werden kann“.

tagesspiegel.de – Ethik des „Diensthandelns“

(In Remys Film geraten) vor allem staatliche Institutionen auf den Prüfstand. Zuallererst der Gesetzgeber: Er hatte es versäumt, bei Eigentumsdelikten unter Bedingungen von Terrorherrschaft die Verjährungsfristen aufzuheben. Im jüngsten Fall, der Sammlung Gurlitt, kommt aber ein Weiteres hinzu: das Verhalten der Staatsanwaltschaft. Das Interview mit dem in Augsburg leitenden Beamten schafft ganz offensichtlich keine Klarheit.

huffingtonpost.de – Erste Dokumentation über den Münchner Kunstsammler im TV

Der Fall Cornelius Gurlitt hat seine ganz eigene Faszination. Es ist eine unglaubliche Geschichte, die wohl noch lange nicht zu Ende erzählt ist. Der Dokumentarfilmer Maurice Philip Remy hat sich dennoch der Herausforderung angenommen

Der seltsame Herr Gurlitt

Die ersten Monate des Jahres haben einige unserer Redakteurinnen und Redakteure in Archiven verbracht, wo sie fieberhaft nach Kunst- und Filmschätzen gesucht haben, um einen unserer interessantesten Dokumentarfilme pünktlich fertig zu bekommen. Der Verzicht auf Karneval und Frühlingsbeginn hat sich gelohnt: „Der seltsame Herr Gurlitt“ ist ein brisanter Film geworden, der so ausführlich wie keine Dokumentation zuvor analysiert, was hinter der vermeintlichen „Raubkunst“ steckt, die in der Wohnung des Sammlers Cornelius Gurlitt gefunden wurde.

2010 fällt ein Mann deutschen Zöllnern beim Grenzübergang aus der Schweiz auf. Er führt Bargeld mit sich, knapp unter der erlaubten Grenze. Der Mann heißt Cornelius Gurlitt und ist damals 79 Jahre alt. Die Zollfahnder beschließen, ihn zu beschatten. Als Gurlitt im Jahr darauf ein kostbares expressionistisches Bild zur Auktion gibt, das für fast eine Million Euro versteigert wird, erwirken sie einen Durchsuchungsbeschluss für seine Wohnung in München. Was die Fahnder dort Anfang 2012 entdecken, übersteigt ihre Erwartungen bei Weitem: eine riesige Kunstsammlung bestehend aus weit über 1000 Gemälden aller Epochen von ausgesuchter Qualität. Erschwerend kommt hinzu: Sie stammen aus dem Besitz von Gurlitts Vater Hildebrand, der in der NS-Zeit mit Kunst gehandelt hat. Der Verdacht kommt auf, dass es sich um „Raubkunst“ handelt, die Sammlung wird beschlagnahmt.

Die 52-minütige Dokumentation „Der seltsame Herr Gurlitt“ bietet die bisher umfassendste Aufarbeitung des Falls. Ebenso unaufgeregt wie versöhnlich gibt der Film auf Basis investigativer Recherchen überraschende Antworten. Das Drama um die Gurlitt-Sammlung wird dabei aus einer völlig neuen Perspektive beleuchtet. So enthüllt der Film auch die wahre Geschichte des Vaters Hildebrand Gurlitt und kommt zu einer erstaunlich positiven Bilanz über den angeblichen „Nazi-Raubkunst-Händler“. Interne Protokolle belegen, dass der gesamte Fall am seidenen Faden angeblicher Steuersünden hängt, die bis heute nicht bewiesen sind. Die Erforschung der Sammlung Gurlitt hat nur symbolischen Charakter. Die Beteiligten wissen, dass sich in den meisten Fällen nicht mehr klären lässt, wer die Vorbesitzer der Bilder waren.

„Der seltsame Herr Gurlitt“ ist eine Geschichte von Unwissenheit und Unsicherheit im Umgang mit der Vergangenheit, dem Unvermögen sie zu bewältigen und letztlich der Unmöglichkeit, allen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.

ERSTAUSSTRAHLUNG: Mittwoch, den 19.03.2014 um 21:50 UHR auf ARTE