2014 – Der BROADVIEW-Jahresrückblick

2014 war ein ganz besonderes Jahr für BROADVIEW TV. Nicht nur lief unser zweiter Kino-Dokumentar-Film „Nowitzki. Der Perfekte Wurf.“ erfolgreich im Kino und wurde mit vielen Gaststars auf seiner Premiere gefeiert. Niemals zuvor liefen außerdem in einem Jahr so viele Dokumentationen von uns im Fernsehen. Darunter Produktionen wie „Breath of Freedom“ oder „Die Aldi-Story“, auf die wir sehr stolz sind und in die wir sehr viel Energie und Leidenschaft gesteckt haben.

Doch auch große historische Daten des Jahres wurden wieder einmal Teil unserer Firmengeschichte: Mit „Sarajevo – Der Weg in die Katastrophe“ und „Zug in die Freiheit“ konnten wir zwei viel beachtete Dokumentationen zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs und zur deutschen Wiedervereinigung vorlegen.

Die BROADVIEW-Redakteure erinnern sich an ihre Highlights aus einem der spannendsten Jahre unserer Firma:

1. Januar: Aufbruch in die Krise

Aufbruch in die Krise

Aufbruch in die Krise

In Zusammenarbeit mit den Kölner Stadt-Anzeiger eröffnen wir das Jahr mit unserer ersten großen Online-Dokumentation. In „Aufbruch in die Krise“ führen wir Material aus unseren Produktionen „1913 – Der Tanz auf dem Vulkan“ und „Sarajevo – Der Weg in die Katastrophe“ zusammen und erzählen interaktiv, wie es zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs kommen konnte. Mit „Aufbruch in die Krise“ besetzen wir bereits zu Beginn des Jahres eines der wichtigsten Themen für 2014 und wagen eine ganz neue Form der Dokumentation, die wir zu unserem Film „Zug in die Freiheit“ mit der Online-Story „Des Bürgers lange Reise“ im September noch einmal wiederholen sollen.

Sehen Sie hier unsere Online-Story „Aufbruch in die Krise“.

17. Februar: „Breath of Freedom“ im amerikanischen Fernsehen

Breath of Freedom

Breath of Freedom

Sogar die New York Times berichtet, als am 17. Februar unsere Dokumentation „Breath of Freedom“ auf dem amerikanischen Smithonian-Channel, der den Film koproduziert hat, zu sehen ist. „Breath of Freedom“, unsere erste amerikanische Co-Produktion, erzählt von schwarzen GIs, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland eine Gesellschaft kennenlernen, in der sie mehr Rechte als zu Hause haben.

BROADVIEW-Producer Lukas Hoffmann erinnert sich an die Produktion: „Im Laufe dieser doch recht aufwendigen Produktion sind wir vielen wundervollen Menschen begegnet. Ich denke, es war die letzte Chance die unglaubliche Geschichte dieser Veteranen festzuhalten. Der Film schlägt nicht nur eine wichtige transatlantische Brücke, er schärft die Sinne für die nach wie vor größten gesellschaftlichen Probleme: Rassismus und Diskriminierung. Gerade vor den aktuellen Ereignissen in den USA ist der Film relevanter denn je.“ 

Sehen Sie hier „Breath of Freedom“.

22. Februar/15. März/9. August: TOO young TO DIE geht in die zweite Staffel

Mit den Filmen „Natalie Wood – Die Macht der Prophezeihung“ (22.2.), „Wladimir Wyssozki – Zu viel Leben“ (15.3.) und „River Phoenix – Der scheue Star“ (9.8.) geht unsere Arte-Reihe „TOO young TO DIE“ in die zweite Staffel.

BROADIVEW-Redakteurin Annebeth Jacobsen mag die Reihe besonders: „Die Filme der 2. Staffel ,TOO young TO DIE’ waren für mich das persönlich Highlight des Jahres 2014. Es ist einfach eine wunderschöne Reihe, in der man sich mit viel Zeit und einem großen Maß an künstlerischer Freiheit der Geschichte einer einzelnen, faszinierenden Persönlichkeit widmen kann.“

Sehen Sie hier „Wladimir Wyssozki – Zu viel Leben“.

Sehen Sie hier „River Phoenix – Der scheue Star“.

19. März: Der seltsame Herr Gurlitt

Cornelius Gurlitt privat

Cornelius Gurlitt privat

Ganz nah am Puls der Zeit sind wir im März mit unserer Dokumentation „Der seltsame Herr Gurlitt“. Nur zwei Monate vor seinem Tod analysieren wir in dem Film die genauen Hintergründe des vermeintlichen Kunst-Skandals, der die Feuilltons wie kein anderes Thema in diesem Jahr beschäftigt.

Annebeth Jacobsen erinnert sich an die Produktion: „2014 begann für uns ziemlich turbulent: In Rekordzeit haben wir in den ersten Wochen des Jahres ,Der seltsame Herr Gurlitt’ für Arte produziert – Zeitzeugen und Experten angefragt, gedreht, geschnitten und bis zum letzten Tag immer weiter recherchiert. Dass der Film dann auch so differenziert in der Berichterstattung aufgenommen wurde, hat uns besonders gefreut.“

Sehen Sie hier „Der Seltsame Herr Gurlitt“.

28. April: Sarajevo – Der Weg in die Katastrophe

100 Jahre Erster Weltkrieg. Angeheizt durch den Sachbuch-Bestseller „Die Schlafwandler“ von Christoper Clark wird in allen Medien der Ausbruch des ersten großen Krieges unserer Zeit diskutiert. Mit dem Film „Sarajevo – Der Weg in die Katastrophe“, in dem wir das Attentat auf Erzherzog Franz Ferdinand in aufwendigen Animationen rekonstruierten, leisten wir unseren Diskussions-Beitrag.

BROADVIEW-Redakteur Thorben Bockelmann: „Geschichte wiederholt sich. 100 Jahre nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs steigen plötzlich die politischen Spannungen zwischen Russland und dem Westen. Die Recherche zum ZDF-Dokumentarfilm ,Sarajevo – Der Weg in die Katastrophe’ und die politischen Auseinandersetzungen führte uns 2014 vor Augen, wie wichtig es ist, aus Fehlern der Vergangenheit zu lernen und das Frieden auch in Europa keine Selbstverständlichkeit ist.“

 20. Juni: BROADVIEW lädt zum Emmy-Cocktail

Auch in diesem Jahr veranstalten wir den traditionellen „Emmy-Cocktail“, bei dem die deutschen Jurys für den International Emmy tagen. Der WDR berichtet:

Lokalzeit aus Köln Emmy from BROADVIEW TV on Vimeo.

5. August: Königliches im ZDF

In unserer Reihe „Königliche Dynastien“ gehen wir im August den Spuren der russischen Herrscherdynastie Romanow nach.

Thorben Bockelmann über „Königliche Dynastien – Die Romanows“: „Russland und die Zarenfamilie. Eine Reise, die uns viele hundert Jahre tief in die Geschichte des Russischen Zarenreichs, zurückführte. Eine Geschichte reich an Glanz, Ruhm und Legenden aber auch geprägt von Armut, Unterdrückung und Krieg.  Es waren diese Gegensätze die uns sowohl faszinierten als auch erschaudern ließen. ,Königliche Dynastien – Die Romanows’ ist ein Film über das einst mächtigste Land der Erde und über die Vergänglichkeit von Macht.“

Sehen Sie hier „Königliche Dynastien – Die Romanows“.

16. September: „Der Perfekte Wurf“ in Köln

Nowitzki Poster

Das offizielle Plakat zum Kinostart am 18. September

Das BROADVIEW-Highlight des Jahres. Mit „Nowitzki. Der Perfekte Wurf.“ startet nach „KLITSCHKO“ unsere zweite große Sport-Kino-Dokumentation. Zur Premiere im Cinedom in Köln finden sich viele Prominente am roten Teppich ein: Darunter auch die Mannschaft des 1. FC Kölns und die Dallas Mavericks. Auch Dirk Nowitzki selbst ist mit seiner Familie zu Gast, nachdem er stolz seinen Kino-Film in Sendungen wie „TV Total“ oder der „Sportschau“ promotet hat.

Presse und Publikum nehmen den Film begeistert auf:

Ein mitreißender Dokumentarfilm (…). (…) Der Perfekte Wurf erzählt viel Privates über Dirk Nowitzki. Aber vor allem hat Der Perfekte Wurf das, was ein Sportlerportrait packend macht: Spannung, Versagen, herbe Niederlagen und Triumphe. (…) Dieser Kerl mit Schuhgröße 54: Ein echter Sympathieträger. Auch wenn er kein bisschen singen kann.

(ZDF ASPEKTE)

„Seinen“ Film hat Nowitzki noch nicht in voller Länge gesehen. Er weiß noch nicht, was NBA-Größen wie Kobe Bryant, Steve Nash, Michael Finley, seine Eltern, ehemalige Wegbegleiter, seine Frau Jessica und sein Mentor, Manager und Förderer Holger Geschwindner über ihn erzählen. „Das hebe ich mir auf, ich will den Film zusammen mit den Fans sehen“, erklärte Deutschlands bester Basketballer.

(Focus Online)

Diesen erstaunlichen Aufstieg von “Dirkules” beschreibt der Film mit eindringlichen Szenen und Interviews.

(sueddeutsche.de)

3. Oktober: Ein Zug zum Mauerfall

Zug in die Freiheit

Zug in die Freiheit

25 Jahre Mauerfall. Mit „Zug in die Freiheit“ nähern wir uns dem Thema von einer ganz besonderen Seite an. Zum ersten Mal wird ausführlich die Geschichte der Botschaftsflüchtlinge erzählt, die 1989 aus der Prager Botschaft in Zügen durch die DDR nach Westdeutschland flohen. Der Film erregt viel Aufmerksamkeit und wird unter anderem auch auf Wunsch von Angela Merkel auf der CDU-Veranstaltung „Wie erinnern wir? 25 Jahre nach dem Mauerfall“ gezeigt. Durch den Film „Mein Zug in die Freiheit“ und die Online-Story „Des Bürgers lange Reise“ bekommt die Dokumentation sogar zwei Ableger.

BROADVIEW-Redakteurin Nadja Lischewski begleitete die komplette Produktion dieser außergewöhnlichen Dokukemtation. Sie erinnert sich: „ Für das Projekt ,Zug in die Freiheit’ habe ich mit vielen Menschen sprechen dürfen, die einen der bedeutendsten Momente der deutsch-deutschen Geschichte miterlebt haben: Ehemalige Botschaftsflüchtlinge haben mir erzählt, wie es sich anfühlte, als  Hans-Dietrich Genscher auf dem Balkon der Botschaft die Rede hielt, deren letzte Worte im Jubel untergingen. Diplomaten haben beschrieben, wie sie die vorangegangenen Verhandlungen erlebt haben und wie es sich anfühlte, schließlich einen der Züge durch die DDR zu begleiten. Familien haben mir erzählt, wie sie sich bei der Flucht  aus der DDR verloren und schließlich am Bahnhof in Hof wiedergefunden haben. Und drei Männer, die damals in der DDR auf einen der Züge aufgesprungen sind, haben sich durch unseren Film nach 25 Jahren zum ersten Mal wiedergesehen.  All diese und viele weitere Geschichten in dem Film zu einer großen Geschichte verschmelzen zu sehen, war mein schönster Jobmoment 2014.“

Sehen Sie hier „Zug in die Freiheit“.

Hier geht es zum Online-Projekt „Des Bürgers lange Reise“.

9. Dezember: Die Aldi-Story

Die Aldi-Story

Die Aldi-Story

Unsere letzte große Dokumentation im Jahr 2014 heißt „Die Aldi-Story“. So detailliert wie in keinem Film zuvor blicken wir hinter die Entstehungsgeschichte und die Mechanismen des Aldi-Konzerns.

BROADVIEW-Redakteurin Vera Bertram betreute das Projekt: „Die Aldi-Story: Das war für mich vor allem ein großartiges Beispiel dafür, was sich mit einem tollen Team gemeinsam realisieren lässt – trotz aller Hürden, die sich während so eines Projekts zwangsläufig auftürmen. Wenn am Ende nach monatelanger Arbeit das Sendeband ausgespielt wird, ist das immer wieder ein geradezu magischer Moment.“

 

Wir danken allen unseren Zuschauerinnen, Zuschauern, Partnerinnen und Partnern für die tolle Zusammenarbeit im Jahr 2014 und wünschen allen einen guten Rutsch ins neue Jahr! Auch 2015 warten wieder viel spannende Themen und Geschichten auf uns!

The Causa Gurlitt

Gurlitt and the Secret of the Nazi Treasure – Trailer from BROADVIEW VOD on Vimeo.

Discussions about art dealer Cornelius Gurlitt and his inheritances are alive and well, even six months after the death. British broadcaster BBC used this case to come to the rather generalised conclusion that Germans have not yet dealt sufficiently with their historical past. There is no doubt, that the findings in Gurlitt’s apartment brought to surface some very dark hours of Germany’s past, but the investigative research into this case was by no means – as the BBC documentary suggests – unethical, nor were the rights of the victims trampled on.

For our Arte documentary “Gurlitt and the Secret of the Nazi Treasure” we extensively researched this story and made clear that it is difficult to take a stand in the case surrounding Cornelius Gurlitt. People wanting to flee the Nazi regime and to finance their escape sold their valuable artworks to Cornelius Gurlitt’s father, Hildebrand, an art dealer during the Nazi era, who bought the paintings and saved them from destruction by the Nazis. Cornelius Gurlitt inherited his father’s paintings but the collection was confiscated by German police. The appointed prosecution had to work through numerous laws and acts to be able to give this case an appropriate and dignified hearing.

This is a thrilling law case that brings to surface many facets of the German past and its dealing with it. None of those are any indication that Germany has no interest in coming to terms with its past – quite the opposite in fact.

Watch „Gurlitt and the Secret of the Nazi Treasure“ on Vimeo.

Vergangenheitsbewältigung und der Fall Gurlitt

Gurlitt and the Secret of the Nazi Treasure – Trailer from BROADVIEW VOD on Vimeo.

Etwa ein halbes Jahr nach seinem Tod ist die Diskussion rund um den Kunstsammler Cornelius Gurlitt und sein Erbe noch nicht verstummt. Der britische Sender BBC nutzt den Fall nun für ein pauschales Urteil über die (angeblich nicht vorhandene) Vergangenheitsbewältigung der Deutschen. Dass der Kunstfund in Gurlitts Wohnung dunkle Stunden aus der deutschen Vergangenheit zu Tage förderte, ist unbestritten. Doch die Aufarbeitung des Falls war keineswegs – wie die BBC-Dokumentation suggeriert – unmoralisch. Auch wurden nicht die Rechte von Opfern mit Füßen getreten.

Für unsere Arte-Dokumentation „Der seltsame Herr Gurlitt“ haben wir den Fall ausgiebig recherchiert und deutlich gemacht, wie schwer es ist, sich im Drama rund um Cornelius Gurlitt zu positionieren. Zu viele Sichtweisen gibt es: Flüchtlinge, die dem Nazi-Regime entkommen mussten, verkauften wertvolle Bilder, um ihre Flucht zu finanzieren. Cornelius Gurlitts Vater Hildebrand hat Bilder gekauft und vor der Vernichtung durch die Nazis gerettet. Cornelius Gurlitt hat die Bilder des Vaters geerbt. Der Großteil des Funds wurde gegen jedes Recht konfisziert. Gleichzeitig hat sich die Staatsanwaltschaft durch ein filigranes Netzwerk an Paragrafen und Gesetzen arbeiten müssen, um den Fall so würdevoll und rechtmäßig wie möglich aufzuarbeiten.

Ein spannendes Gerichts-Stück, das viel über die deutsche Vergangenheit und den Umgang damit verrät. Allerdings nichts, dass in Deutschland kein Interesse an einer umfassenden Vergangenheitsbewältigung herrschen würde – ganz im Gegenteil.

Sehen Sie hier „Der Seltsame Herr Gurlitt“ auf Vimeo.

Cornelius Gurlitt – Ein Nachruf

Cornelius Gurlitt war schon lange sehr erschöpft. Vor allem, wenn er über seine Bilder sprechen musste, klang seine Stimme schwach und leise. „Ich hoffe, dass ich sie wiederbekomme. Ich nehme das dann still zurück erstmal.“ Mit diesem Zitat endet unsere Dokumentation „Der seltsame Herr Gurlitt“, die im März auf Arte zu sehen war.  Am 9. April bekam Gurlitt seine Bilder wieder. Er konnte sich nur noch einen knappen Monat lang über sie freuen. Heute ist Cornelius Gurlitt verstorben.

Ein halbes Jahr lang haben wir den Fall recherchiert. Dabei wurde uns deutlich, wie schwer es ist, sich im Drama rund um Cornelius Gurlitt zu positionieren. Noch 2012 ist er völlig unbekannt und meidet den Kontakt zur Außenwelt. Aus seinem Einsiedlerdasein bricht Gurlitt im September 2011 aus. Er meldet sich beim Kunsthaus Lempertz, um das Max Beckmann-Meisterwerk „Löwenbändiger“ zu verkaufen. Das Bild erzielt die Summe von 864.000 Euro und sichert Gurlitt den Lebensunterhalt. Was damals noch niemand ahnt: Gurlitt hortet in seiner kleinen Stadtwohnung 1280 Bilder, die er von seinem Vater geerbt hat. Auf der Rückseite des „Löwenbändigers“ entdecken die Experten einen alten  Aufkleber von Alfred Flechtheim. Der jüdische Galerist musste schon im Mai 1933 emigrieren. Ist der Beckmann „Raubkunst“? Noch vor der Versteigerung wird ein Kompromiss zwischen Gurlitt und den Flechtheim-Erben geschlossen. Der Erlös aus dem Bild wird geteilt.

Der Fall ist ausgeräumt und wird nicht weiter verfolgt. Doch Gurlitt wird bereits seit September 2010 observiert. Damals fiel er bei einer Routinekontrolle des Zolls im Eurocity von Zürich nach München auf. Gurlitt hatte 9000 Euro bei sich, knapp so viel wie unter der anmeldepflichtigen Grenze erlaubt ist. Wovon lebt der Mann? Die Zollfahnder wenden sich an die zuständige Staatsanwaltschaft in Augsburg. Der Raubkunstvorwurf im Falle des „Löwenbändigers“ alarmiert die Ermittler. Gurlitts Wohnung wird im Februar 2012 durchsucht, alle Bilder werden konfisziert.

Ihre Spur führt ins Jahr 1968 zurück: Als seine Mutter stirbt, erbt Cornelius Gurlitt die Werke aus dem Nachlass des Vaters. Hildebrand Gurlitt ist in den 30er Jahren Direktor des König Albert Museums in Zwickau. Wann immer er kann, kauft er Kunstwerke der Moderne für das Museum an. Doch moderne Kunst ist politisch nicht gewollt – und die Nazis wissen von Gurlitts jüdischer Großmutter. Als Kunsthändler kann er moderne Kunst nur noch heimlich unterm Ladentisch verkaufen. Die Verkaufslisten belegen: Gurlitts „Handelsware“ setzt sich unter anderem aus ehemaligen Museumsbeständen zusammen. 4000 Kunstwerke übernimmt Gurlitt, obwohl mit Druckgrafik kein großes Geschäft zu machen ist. Doch er weiß, dass diesen Blättern die Vernichtung droht. 500 behält er selbst, den Rest verkauft er. In „Der seltsame Herr Gurlitt“ stellt die Kunsthistorikerin Meike Hoffmann klar: „Man kann nicht einfach so sagen, dass diese Werke durch die Kunsthändler gerettet worden sind. Aber ich glaube schon, sobald man an diese Werke herankommt und auch weiß, in welche Sammlung man sie vermittelt, hat man das Gefühl, dass sie da sicherer sind, als irgendwo anders.“ Zudem waren die Versuche, mit dem Verkauf der Gemälde die Flucht zu sichern, oft hoffnungslos. So berichtet Irene Lawford-Hinrichsen, Enkelin des jüdischen Kunstsammlers Henri Hinrichsen: „Mein Großvater wurde gezwungen, seine Gemälde zu verkaufen. Das Geld, das er dafür bekam, ging direkt weiter für die Zwangssteuer.“

Dramatische Geschichten über die dunkelsten Stunden der deutschen Vergangenheit wurden durch den Fund von Gurlitts Bildern zu Tage gefördert. Geschichten, die die Gesellschaft herausgefordert und Cornelius Gurlitt am Ende seines Lebens schwer belastet haben.

Der Text basiert auf Recherchen zur Dokumentation „Der seltsame Herr Gurlitt“ der hier erhältlich ist.