6. Juni 1944: D-Day

Der längste Tag

6. Juni 1944 – D-Day

Vor genau 70 Jahren begann der letzte Akt des Zweiten Weltkriegs mit einem schrecklichen Massaker. Der Küstenstreifen in der Normandie verwandelte sich in eine Hölle aus Feuer und Rauch. Als um 6.30 Uhr die ersten Landungsboote der Alliierten den Strand erreichen, feuern die deutschen Soldaten Granaten und schwere Maschinengewehrsalven in die landenden Menschentrauben, die auf dem ebenen Strand dem Beschuss völlig schutzlos ausgeliefert sind. Allein im Landungssektor „Omaha Beach“ fallen in kurzer Zeit tausende Amerikaner, zerrissen und zerfetzt von Eisen und Stahl. Soldaten, die diesen grauenvollen Moment überlebt haben, werden ihn nie vergessen.

Mit unserem Film „Die Befreiung: Der längste Tag“ haben wir dem D-Day ein Denkmal gesetzt. Ein Zeitdokument, in dem sich Veteranen an die Ereignisse in der Normandie erinnern, die ihr Leben und Europa für immer geprägt haben.

Zum 70. Jahrestag des D-Day kann hier „Die Befreiung: Der längste Tag“ online angesehen werden.

Unser „Zug in die Freiheit“ bewegt sich

Wir haben Großes vor: Unser Dokumentarfilm „Zug in die Freiheit“ soll mit aufwendigen Spielszenen bereichert werden. Nach vielen Monaten der Vorbereitungen, in denen wir feststellten, dass eine Zeitreise zurück ins Jahr 1989 sehr anstrengend ist, konnten wir die Dreharbeiten schließlich erfolgreich abschließen.

Die Dokumentation erzählt die Geschichte von über 10.000 DDR-Flüchtlingen, die 1989 die Botschaft in Prag besetzten und schließlich in die BRD ausreisen durften. Für die Dreharbeiten wurde eine originale Lok der DDR-Reichsbahn mitsamt Waggons in den kleinen Ort Pretzsch in Sachsen-Anhalt gebracht.

Set "Zug in die Freiheit"

Für die Dreharbeiten wurde eine originale DDR-Lok ans Set geholt.

Durch das sonst sehr verschlafenen aber idyllisch an der Elbe gelegene Örtchen fahren nur selten Züge. Doch das Filmteam rückte an dem Pretzscher Bahnhof mit einem Zug aus der Zeit der 80er Jahre an. Die Crew, die Schauspieler, die über 50 Komparsen, Hunde, Kinder, Kinderwagen, Militärfahrzeuge, Trabbis und Motorräder brachten ein buntes Treiben an den kleinen Bahnhof und erregten schnell die Aufmerksamkeit der Anwohner. Da die Flüchtlingszüge meistens nachts unterwegs waren, musste nach Einbruch der Dunkelheit gedreht werden.

Das Bahnhofsgelände Pretzsch wurde zwischenzeitlich zur Disko, zum Verhörzimmer und zum Büro von Stasi-Mitarbeitern. Kostüm und Maske nisteten sich in ein altes verlassenes Fabrikgebäude in der Nähe des Bahnhofs ein.

Matthias Schmidt und Sebastian Dehnhardt

Die Regisseure Matthias Schmidt (links) und Sebastian Dehnhardt.

Unter Regie von Sebastian Dehnhardt und Matthias Schmidt setzten sich Zug und Team immer wieder in Bewegung. Dem Zuschauer sollen die Geschehnisse in und um den geschichtsträchtigen Zug so realistisch wie möglich vermittelt werden. Wir haben das Gefühl, die Zeitreise ist uns gelungen.

Am 30. September wird „Zug in die Freiheit“ um 20:15Uhr auf Arte ausgestrahlt. 

Cornelius Gurlitt – Ein Nachruf

Cornelius Gurlitt war schon lange sehr erschöpft. Vor allem, wenn er über seine Bilder sprechen musste, klang seine Stimme schwach und leise. „Ich hoffe, dass ich sie wiederbekomme. Ich nehme das dann still zurück erstmal.“ Mit diesem Zitat endet unsere Dokumentation „Der seltsame Herr Gurlitt“, die im März auf Arte zu sehen war.  Am 9. April bekam Gurlitt seine Bilder wieder. Er konnte sich nur noch einen knappen Monat lang über sie freuen. Heute ist Cornelius Gurlitt verstorben.

Ein halbes Jahr lang haben wir den Fall recherchiert. Dabei wurde uns deutlich, wie schwer es ist, sich im Drama rund um Cornelius Gurlitt zu positionieren. Noch 2012 ist er völlig unbekannt und meidet den Kontakt zur Außenwelt. Aus seinem Einsiedlerdasein bricht Gurlitt im September 2011 aus. Er meldet sich beim Kunsthaus Lempertz, um das Max Beckmann-Meisterwerk „Löwenbändiger“ zu verkaufen. Das Bild erzielt die Summe von 864.000 Euro und sichert Gurlitt den Lebensunterhalt. Was damals noch niemand ahnt: Gurlitt hortet in seiner kleinen Stadtwohnung 1280 Bilder, die er von seinem Vater geerbt hat. Auf der Rückseite des „Löwenbändigers“ entdecken die Experten einen alten  Aufkleber von Alfred Flechtheim. Der jüdische Galerist musste schon im Mai 1933 emigrieren. Ist der Beckmann „Raubkunst“? Noch vor der Versteigerung wird ein Kompromiss zwischen Gurlitt und den Flechtheim-Erben geschlossen. Der Erlös aus dem Bild wird geteilt.

Der Fall ist ausgeräumt und wird nicht weiter verfolgt. Doch Gurlitt wird bereits seit September 2010 observiert. Damals fiel er bei einer Routinekontrolle des Zolls im Eurocity von Zürich nach München auf. Gurlitt hatte 9000 Euro bei sich, knapp so viel wie unter der anmeldepflichtigen Grenze erlaubt ist. Wovon lebt der Mann? Die Zollfahnder wenden sich an die zuständige Staatsanwaltschaft in Augsburg. Der Raubkunstvorwurf im Falle des „Löwenbändigers“ alarmiert die Ermittler. Gurlitts Wohnung wird im Februar 2012 durchsucht, alle Bilder werden konfisziert.

Ihre Spur führt ins Jahr 1968 zurück: Als seine Mutter stirbt, erbt Cornelius Gurlitt die Werke aus dem Nachlass des Vaters. Hildebrand Gurlitt ist in den 30er Jahren Direktor des König Albert Museums in Zwickau. Wann immer er kann, kauft er Kunstwerke der Moderne für das Museum an. Doch moderne Kunst ist politisch nicht gewollt – und die Nazis wissen von Gurlitts jüdischer Großmutter. Als Kunsthändler kann er moderne Kunst nur noch heimlich unterm Ladentisch verkaufen. Die Verkaufslisten belegen: Gurlitts „Handelsware“ setzt sich unter anderem aus ehemaligen Museumsbeständen zusammen. 4000 Kunstwerke übernimmt Gurlitt, obwohl mit Druckgrafik kein großes Geschäft zu machen ist. Doch er weiß, dass diesen Blättern die Vernichtung droht. 500 behält er selbst, den Rest verkauft er. In „Der seltsame Herr Gurlitt“ stellt die Kunsthistorikerin Meike Hoffmann klar: „Man kann nicht einfach so sagen, dass diese Werke durch die Kunsthändler gerettet worden sind. Aber ich glaube schon, sobald man an diese Werke herankommt und auch weiß, in welche Sammlung man sie vermittelt, hat man das Gefühl, dass sie da sicherer sind, als irgendwo anders.“ Zudem waren die Versuche, mit dem Verkauf der Gemälde die Flucht zu sichern, oft hoffnungslos. So berichtet Irene Lawford-Hinrichsen, Enkelin des jüdischen Kunstsammlers Henri Hinrichsen: „Mein Großvater wurde gezwungen, seine Gemälde zu verkaufen. Das Geld, das er dafür bekam, ging direkt weiter für die Zwangssteuer.“

Dramatische Geschichten über die dunkelsten Stunden der deutschen Vergangenheit wurden durch den Fund von Gurlitts Bildern zu Tage gefördert. Geschichten, die die Gesellschaft herausgefordert und Cornelius Gurlitt am Ende seines Lebens schwer belastet haben.

Der Text basiert auf Recherchen zur Dokumentation „Der seltsame Herr Gurlitt“ der hier erhältlich ist.

Der seltsame Herr Gurlitt

Die ersten Monate des Jahres haben einige unserer Redakteurinnen und Redakteure in Archiven verbracht, wo sie fieberhaft nach Kunst- und Filmschätzen gesucht haben, um einen unserer interessantesten Dokumentarfilme pünktlich fertig zu bekommen. Der Verzicht auf Karneval und Frühlingsbeginn hat sich gelohnt: „Der seltsame Herr Gurlitt“ ist ein brisanter Film geworden, der so ausführlich wie keine Dokumentation zuvor analysiert, was hinter der vermeintlichen „Raubkunst“ steckt, die in der Wohnung des Sammlers Cornelius Gurlitt gefunden wurde.

2010 fällt ein Mann deutschen Zöllnern beim Grenzübergang aus der Schweiz auf. Er führt Bargeld mit sich, knapp unter der erlaubten Grenze. Der Mann heißt Cornelius Gurlitt und ist damals 79 Jahre alt. Die Zollfahnder beschließen, ihn zu beschatten. Als Gurlitt im Jahr darauf ein kostbares expressionistisches Bild zur Auktion gibt, das für fast eine Million Euro versteigert wird, erwirken sie einen Durchsuchungsbeschluss für seine Wohnung in München. Was die Fahnder dort Anfang 2012 entdecken, übersteigt ihre Erwartungen bei Weitem: eine riesige Kunstsammlung bestehend aus weit über 1000 Gemälden aller Epochen von ausgesuchter Qualität. Erschwerend kommt hinzu: Sie stammen aus dem Besitz von Gurlitts Vater Hildebrand, der in der NS-Zeit mit Kunst gehandelt hat. Der Verdacht kommt auf, dass es sich um „Raubkunst“ handelt, die Sammlung wird beschlagnahmt.

Die 52-minütige Dokumentation „Der seltsame Herr Gurlitt“ bietet die bisher umfassendste Aufarbeitung des Falls. Ebenso unaufgeregt wie versöhnlich gibt der Film auf Basis investigativer Recherchen überraschende Antworten. Das Drama um die Gurlitt-Sammlung wird dabei aus einer völlig neuen Perspektive beleuchtet. So enthüllt der Film auch die wahre Geschichte des Vaters Hildebrand Gurlitt und kommt zu einer erstaunlich positiven Bilanz über den angeblichen „Nazi-Raubkunst-Händler“. Interne Protokolle belegen, dass der gesamte Fall am seidenen Faden angeblicher Steuersünden hängt, die bis heute nicht bewiesen sind. Die Erforschung der Sammlung Gurlitt hat nur symbolischen Charakter. Die Beteiligten wissen, dass sich in den meisten Fällen nicht mehr klären lässt, wer die Vorbesitzer der Bilder waren.

„Der seltsame Herr Gurlitt“ ist eine Geschichte von Unwissenheit und Unsicherheit im Umgang mit der Vergangenheit, dem Unvermögen sie zu bewältigen und letztlich der Unmöglichkeit, allen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.

ERSTAUSSTRAHLUNG: Mittwoch, den 19.03.2014 um 21:50 UHR auf ARTE

TOO YOUNG TO DIE: Natalie Wood – Die Macht der Prophezeiung

"Too young to die" auf Arte: Natalie Wood, Sharon Tate, Heath Ledger, Wladimir Wyssozki (v.l.)

„Too young to die“ auf Arte: Natalie Wood, Sharon Tate, Heath Ledger, Wladimir Wyssozki (v.l.)

Ein Film von Annette Baumeister

Samstag, 22. Februar 2014, 22.15 Uhr, Arte

Der tragische Tod von Natalie Wood gehört zu den großen Hollywood-Legenden. Bis heute halten sich Verschwörungstheorien, dass es sich bei ihrem tödlichen Bootsunfall vor dreißig Jahren um Totschlag gehandelt hat. Jahrzehnte vor Michael Jackson, Britney Spears oder Justin Bieber ist Natalie Wood ein von den Eltern gemachter Teeniestar. Ein Idol für jedes Kinderzimmer – auf Postkarten und Postern. Und auf dem Bankkonto eine Lebensversicherung für die ganze Familie.

Es gibt eine Prophezeiung, mit der Natalie und ihre Schwester Lana groß werden: „Meine Mutter hat von einer Kartenlegerin zwei Dinge gesagt bekommen, die unser Leben bestimmt haben: Erstens werde sie eine weltberühmte und wunderschöne Tochter haben. Und zweitens werde sie in einem „dunklen, tiefen Gewässer sterben“, berichtet Lana Wood. Maria Gurdin meidet von da an das Meer und gibt die Angst an ihre Tochter Natalie weiter. Noch nie gezeigtes Archivmaterial, das die Schauspielerin am Strand und im Pool zeigt, lässt diese Angst erahnen.

Auch den anderen Teil der Prophezeiung nimmt die Mutter ernst. So ernst, dass sie ihre Lebensaufgabe daraus macht: Im Alter von sieben Jahren wird Natalie Wood berühmt. Bis zu ihrem sechzehnten Lebensjahr spielt sie in über zwanzig Kinoproduktionen und unzähligen Fernsehserien mit. Die Mutter kassiert das Geld und bestimmt den Drehplan. In diesen Jahren gehört Natalie Wood allen – der Mutter, den Studiobossen und der Nation – nur nicht sich selbst. In unzähligen Filmen verkörpert sie das nette amerikanische Mädchen. Andere Rollen lässt ihre Mutter nicht zu. 1955 fällt Natalie das Drehbuch „Denn sie wissen nicht, was sie tun“ in die Hände. Der Film wird zu einem Wendepunkt in ihrem Leben, privat und beruflich.

Gleichzeitig himmelt sie den acht Jahre älteren Filmbeau Robert Wagner an, mit achtzehn Jahren trifft sie ihn zum ersten Mal. Aus Schwärmerei wird Liebe. 1957 heiratet das Paar auf einer Yacht. Es sind kurze Jahre des Glücks. Das Paar sorgt wöchentlich für Schlagzeilen. Doch die Ehe zerbricht an beiderseitigen Seitensprüngen. Natalie kommt nach der Scheidung mit dem Leben nicht mehr zurecht, wie Freundinnen Natalies und Schwester Lana berichten. Sie trinkt, schluckt Pillen, geht mehrmals die Woche zum Psychiater und begeht einen Selbstmordversuch. Nach zahlreichen Affären mit diversen Hollywoodgrößen findet sie Halt beim Regisseur Richard Gregson, den sie 1969 heiratet und der der Vater ihrer ersten Tochter Natasha ist. Kaum ist das Baby auf der Welt, lässt sich Natalie Wood von Gregson scheiden. Die Gründe liegen bis heute im Dunkeln. Sind es die Seitensprünge ihres Gatten oder ist es die neu entflammte Liebe zu ihren Ex-Mann Robert Wagner? 1972 heiraten Robert Wagner und Natalie Wood zum zweiten Mal und bekommen eine gemeinsame Tochter.

Was an Bord der Yacht „Splendour“ am Thanksgiving-Wochenende 1981 passiert, gibt bis heute Anlass zu Spekulationen. Nur eines ist sicher: In der Nacht stürzt Natalie Wood ins Meer und ertrinkt. „Ihr ganzes Leben lang, hatte sie diese fürchterliche Angst zu ertrinken. Ich habe darüber immer nur gelacht. Als es dann geschah, war ich praktisch ohnmächtig“, sagt ihre Schwester Lana heute. Natalie Woods Tod bleibt mysteriös und kann bis heute nicht aufgeklärt werden.